02Univ.-Prof. Dr. med. Justus P. Beier leitet die Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie und das Schwerbrandverletztenzentrum an der Uniklinik RWTH Aachen. Im Interview spricht er über Forschungsschwerpunkte, klinische Säulen und seine persönliche Faszination für das Fach.
Herr Prof. Beier, was ist Ihr wichtigster Forschungsschwerpunkt?
Prof. Beier: Unsere Klinik engagiert sich in der grundlagenorientierten, translationalen und klinischen Forschung. Unser Fokus liegt daher zum einen im Bereich des Tissue Engineerings, beziehungsweise der Regenerativen Medizin, wo wir uns insbesondere mit sogenannten Fettstammzellen auseinandersetzen. Es ist uns wichtig, dass Forschung bei uns nicht im Labor endet, sondern als konkrete Innovation im klinischen Alltag ankommt, wie bei der Entwicklung neuer Strategien in der regenerativen Medizin, insbesondere im Bereich des sogenannten Tissue Engineerings verschiedener Gewebe. Ziel ist es, biologisches Gewebe durch die gezielte Kultivierung von Zellen künstlich herzustellen, um geschädigtes Gewebe bei Patientinnen und Patienten zu ersetzen oder zu regenerieren. Unser Anspruch ist es, Heilung aktiv zu gestalten, nicht nur Defekte zu reparieren. Im Mittelpunkt translationaler Forschung stehen die Mechanismen der Wundheilung und Narbenbildung. In der klinischen Forschung beschäftigen wir uns mit Verläufen bei uns behandelter Patienten mit Verbrühungen und Verbrennungen, sowie ausgedehnten Weichteilinfektionen und Sepsis.
Was macht für Sie das Fach Plastische Chirurgie in seiner Gesamtheit aus? Was sind die tragenden Säulen der Versorgung und des Leistungsspektrums?
Prof. Beier: Die zentrale Säule ist die plastisch-rekonstruktive Chirurgie – sie bildet sicherlich den wichtigsten Schwerpunkt unseres Fachs. Hier beschäftigen wir uns mit der Wiederherstellung von Form und Funktion des menschlichen Körpers, insbesondere durch mikrochirurgische Gewebetransplantationen. Eine weitere Säule ist die Handchirurgie. Die dritte Säule ist die Verbrennungschirurgie, die insbesondere durch das Schwerbrandverletztenzentrum fachlich äußerst kompetent abgebildet wird. Die vierte Säule ist schließlich die Ästhetische Chirurgie.
Warum fasziniert Sie die Disziplin der Plastischen Chirurgie?
Prof. Beier: Mich begeistert vor allem der individualisierte Lösungs- und Therapieansatz, der sich deutlich von der Standardisierung unterscheidet, wie sie in anderen Fachgebieten zur Sicherung der Versorgungsqualität notwendig ist. Gerade diese Individualität ermöglicht es mir immer wieder, innovative Therapiekonzepte für den klinischen Alltag zu entwickeln, insbesondere in Form neuer mikrochirurgischer Lappentransplantationen. Es ist die Kombination aus chirurgischer Präzision, wissenschaftlicher Innovation und individueller Problemlösung, die dieses Fach für mich so faszinierend macht.





