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Kreatin und Kognition: Prof. Dr. Ferdinand Binkofski im Interview

von Uniklinik RWTH Aachen20. Mai 2026 in Neurowissenschaften,
3d rendered medically accurate illustration of the human brain and a tumor
© Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

Eine Studie aus dem Jahr 2024 schlägt noch immer große Wellen: Der Fachartikel, der die Wirkung einer einmaligen erhöhten Dosis Kreatin auf die kognitive Funktion beschreibt, wurde seit seiner Veröffentlichung bereits über eine Million Mal aufgerufen und besonders unter Sportlerinnen und Sportlern breit rezipiert.

Univ. Prof. Dr. med. Ferdinand Binkofski, Leiter der Klinischen Kognitionsforschung der RWTH Aachen und Mitausrichter der Studie, erklärt im Interview, woher der Hype um seine Forschungsergebnisse kommt und wie er mit kritischen Stimmen umgeht.

Können Sie das Thema Ihres Papers einmal kurz und verständlich zusammenfassen?

Prof. Binkofski: Kreatin ist ein unter Bodybuildern oft eingenommenes Nahrungsergänzungsmittel, weil es Energie für die Muskeln liefert und das Muskelwachstum fördert. Es ist auch bekannt, dass Kreatin zur Verbesserung der Kognition beiträgt. Bisher wurden nur die Auswirkungen von Langzeiteinnahmen erforscht. Die experimentelle Fragestellung unserer Studie war, ob eine einmalige Einnahme einer höheren Dosis Kreatin die Auswirkungen von Schlafdeprivation und die damit einhergehenden kognitiven Einbußen ausgleichen kann. Die kognitiven Tests nach Schlafmangel haben tatsächlich gezeigt, dass die Einnahme von Kreatin die kognitive Leistung fast ausgleicht. Eine gleichzeitige Messung der Konzentration von energietragenden Substanzen im Gehirn hat ebenfalls einen fast vollständigen Ausgleich der Konzentration nach der Einnahme von Kreatin nachgewiesen.

Haben Sie die Ergebnisse der Studie überrascht?

Prof. Binkofski: Wir haben auf ein solches Resultat gehofft, waren uns aber nicht sicher, ob eine einzige Dosis von Kreatin derart eindeutige Effekte zeigen würde. Dr. Ali Gordjinejad vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-2) am Forschungszentrum Jülich hatte dann die Idee, die Annahme anhand von Experimenten auszutesten. Wir waren sehr erfreut über das positive Ergebnis.

Haben Sie damit gerechnet, dass das Paper so breit rezipiert werden würde?

Prof. Binkofski: Das breite Echo auf die Ergebnisse der Studie hat uns alle total überrascht. Normalerweise werden wissenschaftliche Veröffentlichungen, wie die unsere, hauptsächlich von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gelesen.

Woher, denken Sie, kommt das große Interesse am Thema?

Prof. Binkofski: Im Vordergrund des Interesses an der Studie stand natürlich die Auswirkung von Kreatin auf Kognition. Dass die Bodybuilding-Szene auf das Paper aufmerksam werden würde, damit hat keiner von uns gerechnet. Ich vermute, dass das Ergebnis für viele aus der Szene ein weiterer Beweis für die positive Wirksamkeit von Kreatin ist.

Es werden auch aktuell immer noch Berichte veröffentlicht, die behaupten, Kreatin hätte keine nachgewiesenen Auswirkungen auf die menschliche Kognition. Wie gehen Sie damit um, wenn Ihre Ergebnisse angezweifelt werden?

Prof. Binkofski: Als Wissenschaftler muss man objektiv bleiben und die Ergebnisse von Studien so nehmen wie sie sind. Unterschiedliche Studien haben unterschiedliche experimentelle Bedingungen und variieren daher teilweise erheblich. Um Studien zu vergleichen, muss man von daher schauen, unter welchen Umständen die anderen Studien durchgeführt wurden. Es gibt jedoch immer einen gewissen Spielraum für Interpretationen. Unsere Ergebnisse sind auf jeden Fall eindeutig. Aber, bei uns ist jede konstruktive Kritik willkommen, denn sie belebt die wissenschaftliche Debatte.

Zu guter Letzt: Man munkelt, Arnold Schwarzenegger würde in seinen Vorträgen über Ihre Studie sprechen. Wie haben Sie davon erfahren und haben Sie sich darüber gefreut?

Prof. Binkofski: Wir haben davon anekdotisch gehört. Uns freut in diesem Zusammenhang vor allem, dass man über unsere Ergebnisse auch in nichtwissenschaftlichen Kreisen spricht. Es ist ein Traum jedes Wissenschaftlers, dass seine Ergebnisse ein breites Publikum erreichen.

 

Das vollständige Paper finden Sie hier.

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