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Weltweit erste große Studie zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen: Kein Nutzen, möglicherweise schädlich

von Uniklinik RWTH Aachen11. Juni 2026 in Verbrennungsmedizin,
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© jcomp – Freepik

Eine internationale, randomisierte klinische Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und der Queen’s University in Kingston, Kanada, kommt zu einem klaren Ergebnis: Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert bei schwerbrandverletzten Patienten weder das Überleben noch die Organdysfunktion – und könnte sogar schädlich sein. Die Ergebnisse der „VICToRY“-Studie wurden heute im renommierten Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. 

Schwere Verbrennungen lösen eine massive Entzündungsreaktion und oxidativen Stress aus. Vitamin C gilt als starkes Antioxidans und wird seit Jahrzehnten in der Behandlung von Verbrennungspatienten diskutiert. Bisherige kleinere Studien hatten vielversprechende Effekte gezeigt, etwa einen geringeren Flüssigkeitsbedarf. Aufgrund dieser vielversprechenden, aber unsicheren Datenlage empfehlen einige internationale Leitlinien den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C – allerdings ohne belastbare Evidenz aus großen randomisierten Studien.

Die VICToRY-Studie (Vitamin C in Thermal injuRY) schließt diese Lücke: In 24 Zentren in Nord-, Zentral- und Südamerika, Europa und Asien, darunter dem Schwerbrandverletztenzentrum der Uniklinik RWTH Aachen, wurden 238 erwachsene Patienten mit schweren Verbrennungen (≥20 % der Körperoberfläche) randomisiert entweder mit hochdosiertem intravenösem Vitamin C (50 mg/kg alle 6 Stunden über 96 Stunden) oder Placebo behandelt. Der primäre Studienendpunkt war ein zusammengesetzter Endpunkt aus 28-Tage-Sterblichkeit und anhaltender Organdysfunktion (z. B. Beatmung, Nierenersatztherapie oder Kreislaufunterstützung).

Klare Ergebnisse: Kein Nutzen, Hinweise auf Schaden

  • Der primäre Endpunkt trat in der Vitamin‑C‑Gruppe bei 40,8 % der Patienten auf, in der Placebogruppe bei 29,7 % (adjustiertes Risikoverhältnis 1,28; 95 %‑Konfidenzintervall 0,99–1,65; p=0,06).
  • Die 28‑Tage‑Sterblichkeit war in der Vitamin‑C‑Gruppe mit 15,0 % mehr als doppelt so hoch wie in der Placebogruppe (7,6 %; adjustierte Risikodifferenz 7,4 %, p=0,001).
  • Auch die Krankenhaussterblichkeit war erhöht (23,3 % vs. 16,1 %; p=0,03).
  • Nierenersatztherapie wurde in der Vitamin‑C‑Gruppe häufiger begonnen (10,8 % vs. 5,9 %), wenngleich der Unterschied nicht statistisch signifikant war.

Die Studie wurde nach einer geplanten Zwischenanalyse vorzeitig beendet, weil die vordefinierte Futilitäts‑/Schadensgrenze überschritten wurde – ein unabhängiges Gremium empfahl den Stopp.

„Vitamin C in der aktuellen Dosierung kann nicht empfohlen werden“

„Die Studie liefert erstmals hochwertige, randomisierte Evidenz zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Therapie bringt keinen Nutzen und ist möglicherweise schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Justus P. Beier, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie, Leiter des Schwerbrandverletztenzentrums an der Uniklinik RWTH Aachen und als PI am Standort Aachen einer der Ko-Autoren der Publikation.

PD Dr. med. Aileen Hill, Fachärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care (Klinikdirektor: Univ.-Prof. Dr. med. G. Marx) / Klinik für Anästhesiologie (Klinikdirektor: Univ.-Prof. Dr. med. J. Larmann) und Zweitautorin der Publikation, ergänzt: „Die Ergebnisse passen zu der kürzlich publizierten LOVIT-Studie bei septischem Schock, die mit dem gleichen Vitamin‑C‑Schema ebenfalls einen Schadenshinweis zeigte. Damit liegen nun zwei große randomisierte Studien aus unterschiedlichen intensivmedizinischen Bereichen vor, die den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C infrage stellen. Internationale Leitlinien sollten diese neuen Erkenntnisse dringend berücksichtigen und ihre Empfehlungen überdenken.“

Große internationale Zusammenarbeit

Die VICToRY-Studie wurde im Rahmen des Military Burn Research Program des US‑Verteidigungsministeriums gefördert, unterstützt durch die Lotte & John Hecht Memorial Foundation (Kanada) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, STO1099/10-1). Kooperationspartner waren die Queen’s University, Kingston (Kanada), die U.S. Army sowie mehr als 20 weitere internationale Zentren.

Die Ergebnisse wurden gestern auf dem Critical Care Reviews Meeting 2026 in Belfast vorgestellt und zeitgleich in JAMA publiziert.

Bedeutung für die klinische Praxis

„Angesichts der weltweit steigenden regulatorischen Anforderungen und begrenzten Ressourcen ist es umso wichtiger, dass eine so große internationale Studie endlich Klarheit schafft. Wir hoffen, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, Patienten vor einer unwirksamen und potenziell gefährlichen Therapie zu schützen und die begrenzten Ressourcen auf nachweislich wirksame Maßnahmen zu lenken“, so die beiden Aachener Ko-Autoren PD Dr. Hill und Prof. Dr. Beier abschließend.

Originalpublikation

Stoppe C, Hill A, Cancio LC, Pruskowski KA, Turgeon AF, Pham T, Bélisle S, Martinez-Jimenez MA, Limper U, Gille J, Wisler J, Savetamal A, Pollack J, Grau D, Jennes S, Shupp JW, Jeschke MG, Colpaert K, Hundeshagen G, Beier JP,…, Heyland DK
“High‑Dose Intravenous Vitamin C and Mortality and Organ Dysfunction in Severe Burn Injury: The VICToRY Randomized Clinical Trial.” JAMA. 2026. doi: 10.1001/jama.2026.10616. Online ahead of print.

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